Ignoranz ist die neue Volksdroge

Wir ignorieren. Ignorieren, wie schädlich unser tägliches Essen für unsere Gesundheit ist. Ignorieren, wie sehr die Erde, das Klima unter unserem Essverhalten leidet*. Ignorieren, wie einseitig unsere Welt aufgeteilt ist in Konsumenten und Produzenten, und die Konsumenten werden immer reicher und konsumieren immer mehr und ihr Wohlstand geht und ging schon immer auf Kosten der anderen Hälfte der Bevölkerung. Wir ignorieren, das alles eine Kehrseite hat, wir wollen sie nicht sehen.

Ein Leben in Ignoranz ist gemütlich. Man glaubt, was die Werbung an Lügen auftischt (glückliche Tiere, faire und nachhaltige Produktion) aber kein Tier ist glücklich über den Umstand, dass es umgebracht wird, keine Produktion kann fair und nachhaltig sein, wenn ein T-Shirt als Endprodukt nur 5 Franken kostet. Es ist schlicht und einfach unmöglich.

Doch die Alternative zur Ignoranz ist anstrengend. Es bedeutet, dass man sich selbstständig informiert und dass die Erkenntnisse, die dabei ans Licht kommen, unangenehm sind. Sie führen einem die negativen Auswirkungen des eigenen Handelns vor Augen. Und sie zwingen einen zum Umdenken, alles Gelernte wird plötzlich hinterfragt, Tatsachen, mit denen wir aufgewachsen sind (Milch ist gesund und wichtig für den Erhalt starker Knochen) fangen plötzlich an zu bröckeln und stellen sich als Falschinformationen heraus. Und schliesslich führt das neue Wissen dazu, dass man entweder sein Verhalten ändert und mit alten Routinen bricht (anstrengend) oder dass man in einer Diskrepanz zwischen Moral und Handlung lebt (ebenfalls anstrengend).

Dennoch lohnt es sich, sich von der Wolke der Ignoranz herabzulassen auf den Boden der Tatsachen. Man wird mit Gesundheit belohnt, mit dem schönen Gefühl, der Erde Gutes zu tun. Man kann seine Handlungen plötzlich auch anders begründen als nur mit einem „so machen es halt alle“ oder „das wurde mir immer so gesagt“. Man kann hinter seinen Handlungen stehen, sie verteidigen, andere vielleicht sogar überzeugen. Ausserdem ist ein Leben in Ignoranz auch nicht immer nur rosarot schillernd. Schliesslich beschleicht einen immer wieder das ungute Gefühl, dass es doch eigentlich nicht sein kann, das alles immer nur positiv ist, ohne Kehrseite, so wie es einem vorgegaukelt wird – zum Leben gehören schliesslich Dunkelheit und Licht, Tag und Nacht gleichermassen.

Natürlich erwarte ich keine 100-prozentig konsequente Handlung auf Basis der neuen Erkenntnisse. Dies zu erwarten wäre nicht minder ignorant als die Vorstellung, dass Schweine beim Sterben Freudentränen verdrücken. Eine Annäherung an den für den Planeten Erde idealen Lebensstil (vegan, nicht mehr fliegen, nicht mehr Auto fahren, zero waste, Selbstversorgung etc.) ist bereits eine grossartige Leistung und hilft Mensch und Umwelt. Beispielsweise weniger Fleisch essen, hin und wieder den Zug anstatt den Flieger nehmen, das Auto wenn immer möglich durch das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel ersetzen, bewusster konsumieren, nur noch kaufen, was einem wirklich gefällt und steht und nicht jedem Trend blind hinterherrennen. Das ist bereits super! Kein Mensch kann 100% konsequent sein, Perfektion ist kein verbreitetes Phänomen unter uns Sterblichen. Aber alle Menschen haben Verbesserungspotential, das wahrgenommen werden will!

*Wusstet ihr, dass die Fleischproduktion mehr CO2-Austoss generiert als alle Autos der Welt zusammengerechnet? Wer sich eingehender mit dem Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und Umweltschutz befassen möchte: Cowspiracy ist ein guter Einstieg, der Effekt veganer Ernährung auf die Gesundheit wird in What the Health und Forks over Knives ausführlich elaboriert. Schaut es auch bei Gelegenheit an.

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