Sind Gewohnheiten gut oder schlecht?

Gewohnheiten sind unglaublich kraftvoll. Im positiven wie im negativen Sinne.  Sie können unser Leben verändern oder Stagnation auslösen. Sie können zur körperlichen und mentalen Gesundheit beitragen oder sie gefährden. Ob Gewohnheiten gute oder schlechte Auswirkungen auf unser Leben haben, hängt im Endeffekt davon ab, welche Handlungen sich zu Gewohnheiten verfestigt haben (rauchen oder Sport treiben?) und vom Mass. Wie immer gibt es ein „zu viel“, zu viele Gewohnheiten können einengen, zu wenige hindern uns wohl in unserer Produktivität, da wir jede Handlung neu überdenken und uns neu zu ihrer Ausführung überwinden müssen, wohingegen Gewohnheiten leicht und fast schon automatisch von Hand gehen.

Gewohnheiten können helfen, Ziele einfacher zu erreichen. Wie bereits angesprochen, werden Gewohnheiten seltener hinterfragt als einzelne Handlungsimpulse, sie werden ausgeführt, ohne dass gross darüber nachgedacht wird. Ausserdem entstehen Gewohnheiten relativ schnell. Anscheinend kann eine Handlung schon nach 21 Tagen zur Gewohnheit werden, wenn das gewünschte Verhalten 21 Tage lang an den Tag gelegt wird. Angenommen, dein Ziel ist es, mehr Sport zu treiben, dann musst du bloss während 21 Tagen regelmässig sporteln gehen, und schon wird es zur Gewohnheit und somit zu einem selbstverständlichen Teil deiner Routine und kostet dich wesentlich weniger Überwindung als wenn du es beim Gelegenheitssport belässt.

Allerdings fühlen sich Gewohnheiten manchmal auch wie ein Gefängnis an. Bei mir zumindest. Ich habe so viele Gewohnheiten, dass mein Tag immer etwa gleich abläuft und ich vor lauter Routine gar nicht mehr auf meine aktuellen Bedürfnisse reagieren oder den Tag an Stimmung, Wetter, Lust und Laune angepasst gestalten kann (wenn ich denn frei habe, ansonsten wird einfach gearbeitet, Stimmung, Wetter, Lust und Laune hin oder her, schon klar). Ich merke oft gar nicht, wie sehr ich in meiner Routine gefangen bin, bis ich in die Ferien gehe und dort einfach so in den Tag hineinlebe und (gezwungenermassen) mit einem Grossteil meiner Gewohnheiten breche (bspw. fahre ich nicht mehr Rad, da ich kein Rad habe, ich koche esse nicht mein übliches Essen, da keine Küche vorhanden etc.). Und nach anfänglichem Unmut stellt sich ein unglaubliches Freiheitsgefühl ein.

Ich spreche ja häufig davon, dass ich gerne frei und ungebunden wie ein Vogel und von anderen unabhängig bin, aber es beschleicht mich das Gefühl, dass meine Mitmenschen in Tat und Wahrheit gar nicht die wahre Gefahr für meine heiss geliebte Freiheit darstellen, sondern ich selbst. Niemand wird jemals so viel Macht über mich ausüben können wie ich über mich selbst. Ich baue meine Gefängnisse immer selber, die anderen lasse ich gar nicht erst in die Nähe der Backsteine kommen, die es zum Erbauen eines Gefängnisses benötigt. Nur realisiere ich mein Werk meist erst im Nachhinein, wenn das Gefängnis schon steht und der Schlüssel meiner Zelle unauffindbar ist, und dann beginnt der mühsame Befreiungsprozess. Aber was tut man (und vor allem ich) nicht alles für das hochehrwürdige Gefühl der Freiheit! Ich liebe frei sein, also bin ich auch bereit, etwas für den Erhalt und die Herstellung von Freiheit zu leisten.

Ich bin jetzt auch gespannt wie ein Flitzebogen, wie sich meine erste mehrmonatige Reise auf meine Gewohnheiten auswirken wird. Ob ich neue Reisegewohnheiten entwickeln oder für gewisse Zeit Routine-frei leben werde, ob wenn ich zurück komme alle Gewohnheiten bereits vergessen sind und weit hinter mir liegen oder ob ich mich gleich wieder zurück in die Zelle begebe… Wir werden sehen. Das Leben wird auf jeden Fall nie langweilig.

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