Für immer Kind sein?

Bislang konnte ich den Wunsch von Peter Pan, für immer ein Kind zu sein und nie erwachsen zu werden, nicht so recht nachvollziehen. Ich für meinen Teil war heilfroh, als ich erwachsen wurde und endlich tun und lassen konnte, was ich wollte (innerhalb den Grenzen des Gesetzes natürlich). Ich wurde mit zunehmendem Alter viel selbstbewusster, eigenständiger, unabhängiger, freier in meinen Entscheidungen, mutiger und gelassener. Ich war daher felsenfest überzeugt, dass das älter werden bislang nur positive Auswirkungen auf meine Persönlichkeit und mein Leben hatte. Natürlich nahm mit der zunehmenden Freiheit und Unabhängigkeit auch die Eigenverantwortung zu, was ich aber nie als störend empfand.

Allerdings bin ich seit einiger Zeit etwas anderer Meinung. Ich sehe immer noch die zahlreichen Vorzüge des älter seins und möchte sie auch keinesfalls missen und ziehe mein jetziges Alter und mein momentanes Leben mit all seinen Freiheiten stets bei Weitem meiner Kindheit vor. Aber ich sehe auch, dass Kinder gewisse Qualitäten haben, die den meisten Erwachsenen leider abhanden gekommen sind. Beispielsweise sind Kinder wahre Meister darin, genau das zu tun, was sich für sie richtig anfühlt und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Sie leben im Moment, sind direkt, ehrlich und präsent. Und sie sind meine grossen Vorbilder, wenn es um das Erlernen einer IDGAF-Haltung geht. Denn ein Kind fackelt nicht lange, wenn es etwas tun will. Es tut es einfach, egal, was die Handlung für Reaktionen auslösen mag oder ob es der Gesellschaft passt oder nicht.

Natürlich ist bei alledem (und wie immer) das Mass entscheidend. Ich plädiere nicht dafür, dass wir uns in Zukunft schreiend auf den Boden werfen, wenn unsere Bedürfnisse nicht sofort Beachtung finden. Ich plädiere auch nicht für die Rückkehr zum ausgeprägten Egozentrismus, der Kindern oft eigen ist. Aber ich bin überzeugt, dass es das Leben lebenswerter und schöner macht, wenn wir öfters kindliche Freude ob kleinen Dingen zeigen. Wenn wir uns ein bisschen weniger darum kümmern, was andere wohl über uns und unsere Handlungen denken mögen und ein bisschen mehr das tun, was wir gerade wirklich wollen. Wenn wir von Zeit zu Zeit auf Konventionen und Erwartungen pfeifen. Wenn wir der Unvernunft ein wenig mehr Raum geben im Leben, wieder in Pfützen springen, auch wenn wir danach nass und schmutzig sind. Wenn wir versuchen, wieder mehr im Moment zu leben, nicht immer alle möglichen Konsequenzen einer Handlung durchzuspielen sondern auch einfach einmal auszuprobieren und zu machen. Wenn wir grössere Bereitschaft zeigen, die Welt immer wieder neu zu entdecken, anstatt auf unseren festgefahrenen Meinungen zu beharren. Wenn wir Neuem gegenüber wieder offener und generell lernfreudiger sind.

Kinder haben viel zu lernen, um später in der Erwachsenenwelt bestehen zu können. Wir Erwachsenen können umgekehrt viel von Kindern lernen, um dem Ernst des Lebens mit Unbeschwertheit, Neugier und einer Prise IDGAF entgegentreten zu können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s