Mache ich es mir zu einfach?

Vorgestern habe ich in diesem Artikel behauptet, ich wolle mich in Bezug auf die Zukunft nicht auf eine Richtung festlegen, weil es mich meiner Freiheit beraube. Ich sei noch nicht bereit, mich für ein Studium oder eine Ausbildung zu entscheiden, weil es mich an einen Ort binde, und weil ich noch nicht das Richtige für mich gefunden hätte. Aber  je mehr ich darüber nachdenke, desto überzeugter bin ich, dass dies nicht der einzige Grund für meine Richtunglosigkeit ist. Vielmehr beschleicht mich das Gefühl, dass ich ganz generell von einer Entscheidungsunlust befallen bin, wie wohl so viele meiner Generation. Ich weigere mich nicht aus Liebe zur Freiheit oder mangels ansprechender Auswahl zu entscheiden, sondern ich will mich ganz generell nicht entscheiden. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass ich Angst habe, die falsche Entscheidung zu treffen oder mich festzulegen, bloss um gleich danach über eine neue Option zu stolpern, die viel besser gewesen wäre, die ich aber jetzt nicht mehr wählen kann. Also behalte ich mir lieber alle Möglichkeiten bis zum Schluss offen, so kann ich weniger falsch machen – dachte ich mir zumindest. Aber das ewige Abwarten aus Angst vor einer (Fehl-)Entscheidung lähmt mich, hemmt mich. Und ich realisierte, dass ich so nie vorwärts kommen werde. Was ich erst noch begreifen muss, ist, dass die Wahl, die ich heute treffe, nicht für immer und ewig mein Leben bestimmen wird. Ja, eine Ausbildung bzw. ein Studium zu beginnen ist ein grosser Schritt und stellt die Weichen für die Zukunft. Aber wechseln kann ich immer noch, und eine neue Ausbildung beginnen auch. Was ich jetzt entscheide, wird nicht in Stein gemeisselt. Aber eine Entscheidung zu treffen erlaubt mir, anzufangen und anzupacken anstatt abzuwarten. Schliesslich erscheint es mir besser, eine Fehlentscheidung zu riskieren, als alle möglichen Chancen zu verpassen, weil man immer auf etwas Besseres, Passenderes wartet. Und nie zu realisieren, dass die Auswahl, die man hat, schon gut genug ist. Ausserdem kann ich an eine abgeschlossene Ausbildung auch eine Nächste anschliessen, es ist ja nicht nur eine Ausbildung pro Leben möglich, ganz und gar nicht.

Allerdings hatte ich bisher noch nicht einmal annähernd das Gefühl des „Das ist es“. Und ich will mich nicht mit weniger begnügen. Aber dann entscheide ich mich womöglich nie, denn wer garantiert mir, dass ich jemals den einen Beruf finde, der wie für mich gemacht ist? Wenn es diesen überhaupt gibt. Aber ich bin noch nicht bereit, die Hoffnung aufzugeben, dass es eine Ausbildung, ein Studium oder ein Berufsfeld gibt, in dem ich nicht nur begabt bin, sondern das mich mit Leidenschaft erfüllt. Für alles andere ist das Leben doch irgendwie zu kurz, und wenn es nur ums Aufträge erledigen und Geld verdienen geht, kann ich auch in Thailand am Strand kellnern, da habe ich wenigstens eine schöne Aussicht, wenn mich die Arbeit an sich schon nicht erfüllt.

Ich habe auch die Hoffnung, dass ich, wenn ich denn das Richtige gefunden habe, bereitwillig ein Stückchen Freiheit hergebe, um im Gegenzug einen erfüllenden Beruf ausüben zu können. Denn die meisten Ausbildungen binden einen nun einmal für gewisse Zeit an einen Ort. Damit muss man umgehen können. Aber wenn es meiner (noch unbekannten) Bestimmung in diesem Leben entspricht, diese Ausbildung zu machen, so bin ich zuversichtlich, dass ich das auch kann. Trotzdem frage ich mich, ob ich es mir zu einfach mache, indem ich passiv auf das Richtige warte. Einfach so wird es mir wohl kaum vor die Nase flattern. Vielleicht sollte ich mich mehr pushen, meiner Entscheidungsunlust nicht so viel Raum geben und anfangen, mich zu informieren über all die Möglichkeiten, die ich habe und womöglich gar noch nicht kenne. Denn wohl informiert scheint mir das Risiko einer Fehlentscheidung geringer und somit auch die Angst vor dem Fällen einer Entscheidung gemindert. Also los geht’s, packen wir diese Sache an.

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