Ich weiss es nicht.

Wie dem aufmerksamen Leser vielleicht bereits aufgefallen ist, habe ich den Hang dazu, auf alles eine Antwort finden zu wollen. Eine Begründung. Eine Erklärung. Für meine Gefühle, meine Handlungen, meine Lebenseinstellungen. Kurz, für alles, was in mir und um mich herum so vorgeht. Dabei würde es mir wohl gut tun, öfters Fragen unbeantwortet im Raum stehen zu lassen. Handlungen unbegründet zu lassen. Es öfters bei einem scheinbar simplen „Ich weiss es nicht“ zu belassen, anstatt ewig nach Gründen weshalb und warum zu suchen. Denn es ist nun einmal die Realität – mit Gewissheit wissen können wir fast nichts. Nicht nur in Bezug auf die Zukunft ist eigentlich so ziemlich alles ungewiss – abgesehen davon, dass wir früher oder später sterben werden. Aber auch die Gegenwart ist vor Unwissen nicht gefeit. Nicht alles, was um mich herum geschieht, kann ich nachvollziehen, erklären, auf viele Fragen der Gegenwart habe ich keine Antwort. Von vielem habe ich auch schlicht und einfach keine Ahnung, denn wer kennt sich schon in allen Gebieten bestens aus – nur geben die wenigsten ihr Unwissen zu. Dabei wäre es doch einfach ehrlich, wenn wir öfters einmal „Ich weiss es nicht“ sagen würden, anstatt sinnlose Aussagen zu machen. Leeres Geschwätz gibt es genug auf dieser Welt. Gerade deshalb ist „Ich weiss es nicht“ als Antwort ein nahezu revolutionärer Akt, genauso wie das sich Entziehen vom kollektiven Zwang, immer für alles eine hieb- und stichfeste Erklärung bereitzuhaben. Immer sollen und wollen wir zu allem eine Meinung haben, bloss ist die Meinung meist weder fundiert noch ausgereift, weil uns die Masse an Gegenständen und Geschehnissen, zu denen wir uns eine Meinung bilden, schlicht und einfach überfordert. Aber wir geben lieber überall unseren billigen Senf dazu, anstatt einfach einmal zuzugeben, dass wir etwas nicht wissen. Dabei zeugt die Akzeptanz des eigenen Unwissens nicht von Desinteresse, nicht von Schwäche, nicht von Faulheit, sondern von Lernbereitschaft und Stärke. Wir stellen uns den Grenzen der eigenen Erfahrungen und des eigenen Wissens und sind bereit, sie zu erweitern.

In diesem Sinne – ich bin dann mal weg und irritiere die Leute, die ich antreffe und mich ausfragen über dieses und jenes mit meiner neuen Lieblingsantwort, weil so ehrlich, erfrischend und revolutionär zugleich: Ich weiss es nicht.

P.S. Was dieses Header-Bild mit dem Artikel zu tun hat? Ich weiss es nicht!

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