Auf Nimmerwiedersehen, Entscheidungsunlust!

Lange war ich der Meinung, dass Entscheidungen am besten am Ende eines langen  und gründlichen Denkprozesses getroffen werden. Spontane Entscheidungen hielt ich für leichtsinnig und unfundiert. Ich wollte alle Vor- und Nachteile der jeweiligen Wahlmöglichkeiten herausarbeiten und aufgrund dessen meine Entscheidung treffen. Dieses langwierige Verfahren machte manchmal Sinn, meistens aber nicht. Denn ich hatte die Tendenz, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Aus den einfachsten Fragen wurden plötzlich komplexe, unüberschaubare Minenfelder, ich hirnte so lange über ein Thema nach, bis ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah. Anstatt Klarheit zu erlangen, verwirrte ich mich selbst, denn je länger ich eine Entscheidung vor mir her schob, desto mehr Fragen kamen auf, desto detaillierter und verästelter wurde der Baum, der zuvor aus nur wenigen möglichen Ästen bestand, auf die ich hätte klettern können. Die Möglichkeiten, die ich entdeckte, nahmen immerfort zu, bis mich ihre Anzahl völlig überforderte und ich mich komplett vor einer Entscheidung drückte.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Wahl eines Studiums. Lange wollte ich gar keine Entscheidung treffen, weil ich der Meinung war, dass ich zuerst alle meine Möglichkeiten evaluieren müsse. Nur war und ist das schlicht und einfach unmöglich. Es gibt unendlich viele Studienmöglichkeiten die ich niemals alle erfassen, geschweige denn im Detail evaluieren kann. Sollte ich deswegen gar nicht studieren, weil ich möglicherweise nicht die ideale Wahl treffe? Natürlich nicht! Das schlimmste das passieren kann ist, dass ich mich für ein Studium entscheide, das mir nicht gefällt. Was bedeuten würde, das ich aufhöre oder das Studium wechsle. So what? Eine Entscheidung muss nicht in Stein gemeisselt sein. Ich kann immer neue Wege einschlagen, aber nur, wenn ich mich endlich in Bewegung setze, anstatt ratlos vor der Weggabelung stehen zu bleiben.

Dies sollte nun kein Plädoyer für fahrlässiges Handeln sein. Natürlich geht die eigene Sicherheit vor, aber solange diese gewährleistet ist (und das ist sie meistens) spricht nichts gegen ein bisschen Risikobereitschaft und spontanes Handeln. Falls sich die Handlung als Fehltritt herausstellt, lehrt sie dich eine Lektion und ansonsten wird es ein Erfolg.  In jedem Fall bringt dich Handeln weiter als Abwarten und Tee trinken. Handeln ist ein Anfang, Handeln ist aktiv. Drehen und wenden und denken und denken hingegen – damit bewegst du dich für die nächsten hundert Jahre an Ort und Stelle. Also los. Ab geht’s. Vertraue dir und dem Universum, handle! Das Leben ist kurz und Entscheidungsunlust lähmt. Tausende von Entscheidungen müssen täglich gefällt werden. Fälle sie mit Leichtigkeit, dann wird auch das Leben leicht vorangehen. Überdenke alles viele Nächte, und das Leben wird zähe Fäden ziehen wie ein alter Kaugummi.

 

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