Liebesbrief an den Süden

Es dauert mich immer zutiefst, aus dem Süden, in diesem Falle Italien, wieder in die Schweiz zurückzukehren. Ich liebe es, morgens als erstes ans Meer zu spazieren und die unendliche Weite zu erblicken, die sich vor mir erstreckt. Das Wasser scheint nahtlos in den Himmel überzugehen, einzig die Wellen und Wolken verraten den Strukturenwechsel. Ich liebe die südlichen Länder und ihre Leute, ihren entspannten Lebensstil, ihre direkte, offene und ehrliche Art, ihre Spezialitäten (Italien ist ein kulinarisches Paradies – Pizza und Pasta ohne Ende und in allen erdenklichen Variationen, ein Gericht besser als das andere, halleluja!). Ich liebe die Botanik, das Grün der Pinienwälder, die kleingewachsenen Büsche, die den Strand säumen, die Blumen, die aus Rissen im Asphalt und zwischen Gartenzäunen hindurch in leuchtenden Farben spriessen, die Kakteen und ihre Feigen, die mit Zitrusfrüchten behangenen Bäume, die hochgewachsenen Palmen genauso wie die gedrungenen, die leuchtend pinken Bougainvilles… Ich liebe das laute Zirpen der Grillen, das mich abends in den Schlaf wiegt, und das Rauschen und Krachen der Wellen, das mich des Tags begleitet. Ich liebe die Wärme, die Sonne, die so regelmässig scheint wie sonst nirgendwo. Ich liebe das Strandleben, das Brutzeln in der Sonne genauso wie entspannte Mussestunden im Schatten, die Abkühlung im Wasser, die Ruhe, die einen weit draussen im Meer umgibt, wenn nur noch das eigene Plätschern im Wasser hörbar ist. Ich liebe ausgedehnte Strandspaziergänge, ich liebe es, Klippen zu erklimmen und aus der Vogelperspektive neue Plätzchen zum Verweilen auszumachen. Ich liebe den Dunst, der frühmorgens über dem Städtchen hängt und die vielen Katzen, die mir um die Beine streichen. Ich liebe die Rattan-Möbel und die hellen, warmen Farben der Häuser. Zugegeben, die Architektur in vielen der kleinen Badeorte vermag sich kaum mit herausragender Ästhetik hervorzutun. Im Gegenteil, oft sind die Bauwerke, die die Strandpromenade säumen, auf den ersten Blick im besten Fall unspektakulär und im schlechtesten schlicht und einfach hässlich. Vielleicht ist es mein verliebt-verklärter Blick durch die rosa Brille, aber ich kann der Architektur trotz einem objektiven Mangel an Ästhetik eine gewisse Schönheit abgewinnen. Und zwar, weil die würfelförmigen Häuser mit ihren Farben ein warmes, ansprechendes Gesamtbild ergeben, weil überall Pflanzen spriessen, und weil die unprätentiöse, schlichte Bauweise einfach erfrischend ist.

Ich liebe den Süden. Es zieht mich immer wieder in südliche Regionen Europas, nach Spanien, Italien, Frankreich… Erstaunlich, wie nahe diese Orte vergleichsweise sind, bloss ein, zwei Flugstunden trennen sie von der Schweiz, und doch sind sie so anders. Vielleicht gebe ich dem konstanten Verlangen nach Wärme und Sonne eines Tages nach und bleibe im Süden für eine Weile hängen, wer weiss. Momentan wird mein Abschiedsschmerz mit der Aussicht auf die Reise nach Asien gelindert.

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