Weshalb ich mich vorerst gegen ein Studium und für das Reisen entschieden habe

Bevor ich nach Asien ging, wollte ich eigentlich nach meiner Rückkehr ein viermonatiges Praktikum absolvieren, danach weitere zwei Monate reisen und schliesslich im Herbst 2018 ein Studium beginnen. So der Plan. Aber wie das so ist mit den Plänen, sieht die Realität dann meist ein bisschen anders aus (und diese Freiheit im Umgang mit Plänen nehme ich mir selbstverständlich heraus, schliesslich sind sie selbst geschmiedet). Das Praktikum habe ich dann tatsächlich angetreten, da akuter monetärer Mangel besteht, vom Studium hingegen habe ich mich wieder abgemeldet. Aber warum nur? Das haben sich wohl viele in meinem Umfeld gedacht (und auch nicht weniger viele an- und ausgesprochen), als sie mit meiner Entscheidung konfrontiert wurden. So oft wurde mir die Frage gestellt, weshalb es denn jetzt unbedingt noch mehr Reisen sein müsse und ob dies nicht eine Verschwendung meiner geistigen Ressourcen darstelle und überhaupt, wirf doch mal einen Blick in die Zukunft Kind, oder willst mit fünfzig noch immer in der Welt herumgondeln und dir dein täglich Brot mehr schlecht als recht als Praktikantin verdienen??? Nun ja, warum eigentlich nicht. Keine Ahnung. Bis ich fünfzig bin, dauert es ja noch eine Weile, wer weiss schon, was ich bis dahin will und nicht will.

Eigentlich ist die Antwort auf die Frage, warum ich die Entscheidung genau so und nicht anders gefällt habe, simpel. Ich liebe Reisen. Und ich habe die Freiheit, dass zu tun, was ich liebe, zumindest zur Hälfte des Jahres, also nutze ich diese Freiheit auch. Ich lebe im Moment und ich tue, was mich momentan glücklich macht, und das ist nun einmal kein Studium und auch keine Ausbildung, sondern Reisen (zumindest momentan, nichts im Leben ist in Stein gemeisselt). Und ja, die Praktika sind teilweise repetitiv und bestimmt könnte ich beruflich höher hinaus, wenn ich wollte, aber das ist ja der springende Punkt – ich habe momentan andere Prioritäten. Ich gehe hoch hinaus, und zwar im Flugzeug auf dem Weg in wärmere Gefilde, wenn hier der Winter einbricht, jawohl! Und genau so und nicht anders möchte ich das.

Aberaberaber wiesoweshalbwarum (ist die Banane krumm – ich konnte es einfach nicht lassen hahaha) macht dich dieses Reisen denn so glücklich? Weil mich die Reisen wachsen lassen. Sie werfen mich aus der gemütlichen Routine und meiner Komfortzone direkt rein ins wilde Abenteuer. Ich bin auf mich alleine gestellt und gleichzeitig immer umgeben von wunderbaren, freien, wilden und andersartigen Menschen, die mein Leben und Denken bereichern. Das Reisen macht mich zu dem Menschen, den ich immer sein wollte – ich wurde so viel gelassener, zufriedener, entspannter, fröhlicher, offener, mit jedem Betreten eines neuen Hostels fiel es mir leichter, mit Fremden ins Gespräch zu kommen und sie Freunde werden zu lassen, mit jeder unerwarteten Wendung wurde ich besser darin, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, mit jeder Verspätung nahm die Bedeutung des Konzepts Zeit in meinem Leben ab, wurde ich besser darin, zu warten. Jeder Tag bietet Neues, und das Neue lässt mich staunen, es lehrt mich, manchmal macht es mir auch Angst. Die Herausforderungen sind zahlreich, und genau das reizt mich. Die unterschiedlichen Kulturen zeigen mir, dass das Leben auch anders verlaufen kann, als ich es es aus der Schweiz kenne. Mit jedem Land, dass ich bereise und jeder Begegnung, die ich mache, bröckelt die Box, in der ich denke und lässt mehr Raum für einen freien und offenen Blick. Und zurück in der Schweiz ist das Lernen und das Wachsen nicht beendet, im Gegenteil. Täglich erinnere ich mich an die Macht meiner eigenen Einstellung zu was auch immer um mich herum geschieht. Täglich schwimme ich im Glück, täglich werde ich mir meiner Privilegien und Freiheiten bewusst. Im Umgang mit Herausforderungen bin ich souveräner geworden, im Angesicht von Stress und Zeitdruck gelassener, beim Kennenlernen eines neuen Teams selbstsicherer. Es geht mir nicht um ein bestimmtes Land oder einen bestimmten Ort, wenn ich reise. Ich reise, weil mich das Reisen lehrt und ich weiter lernen möchte in der Schule des glücklichen Lebens und des freien Denkens. Denn das, was ich bisher gelernt habe, bereichert mein Leben so ungemein, hat mich so positiv werden lassen und mich in einer Art verändert, wie ich sie nie für möglich gehalten hätte. Logisch, habe ich Blut geleckt.  Logisch, ziehe ich weiter.

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