Travel diary: Landleben

Nun bin ich also tatsächlich auf einer Farm bzw. einem Gnadenhof in der Nähe von Berlin gelandet. Nachdem ich mir erst meine gesamte Kindheit hindurch nichts Schöneres und dann während meinen Teenie-Jahren nichts Schlimmeres hätte vorstellen können, als ein paar Wochen auf dem Bauernhof zu verbringen, bin ich nun tatsächlich da! Ich hab mich auch echt darauf gefreut, der Ekel vor jeglichem Schmutz und die Abneigung gegen körperliche Arbeit im Freien bei Wind und Wetter habe ich schliesslich schon vor ein paar Jahren abgestreift. Und Tiere liebe ich ja ohnehin sehr, besonders die, die auf den Fotos der Volunteering-Plattform zu sehen waren – niedliche Kaninchen, Ponies, Hunde und Katzen. Freiwilligenarbeit im Streichelzoo sozusagen.

Nun, was soll ich sagen. Am Tag meiner Ankunft hätte ich am liebsten auf dem Absatz kehrt gemacht und wäre direkt nach Hause gegangen, oder nach Asien, oder zurück nach Schottland – eigentlich ganz egal wohin, einfach nicht hier! Der Hof war viel abgelegener als ursprünglich gedacht, weit und breit keine Menschenseele ausser mir und der Besitzerin, die aber meist den ganzen Tag ausser Haus (sie hat noch einen anderen, aufwendigeren Gnadenhof) und zudem ziemlich durchgeknallt ist. Das Tierwohl hat hier definitiv oberste Priorität, noch vor ihrem eigenen Wohl, oder so kommts mir zumindest vor, und entweder bin ich nicht wahrhaftig tierlieb oder sie und all die anderen Verrückten die manchmal aushelfen sind einfach durch und durch tierfanatisch. Auf jeden Fall gibt es, wenn dann mal jemand da ist, kein anderes Gesprächsthema als das Tierwohl, die Tierrechte, die Tiermisshandlung… Ist ja alles wichtig und interessant, ich bin dem als Veganerin ja auch überhaupt nicht abgeneigt, aber ich habe da irgendwie auch noch andere Schwerpunkte im Leben?? Wie dem auch sei, ich bin sozusagen alleine hier und schmeisse den Laden schon am dritten Tag von A-Z; füttern, ausmisten, kochen, putzen, waschen und Wäsche aufhängen, staubsaugen, wieder füttern, mit dem Hund Gassi gehen… Das ist ziemlich cool, da ich so echt jeden Aspekt des Gnadenhoflebens kennenlerne und ich habe schon super viel über Tierhaltung gelernt – was, wieviel und wann die Tiere essen, wie man sie pflegt, wo die Pflanzen und Kräuter für die Kaninchen wachsen und wie sie heissen… Es ist also echt lehrreich und interessant hier. Die Tiere sind auch echt suuuuper süss und verschmust und es hat sogar jede Menge Babykatzen, die ich natürlich seither in jeder freien Minute mit Herzchenaugen beäuge. Es hat also auf den zweiten Blick durchaus Vorteile, hier zu sein, und an die Einsamkeit gewöhnt man sich auch ziemlich schnell. Gott sei Dank gibt es zudem die moderne Technik und die gute Frau hat Wlan, sodass ich nicht ganz von der Aussenwelt abgeschnitten bin… Mittlerweile verstehen wir uns auch ganz gut, die Besitzerin und ich. Sie ist zwar durchgeknallt, aber das bin ich ja auch, wer ist das schon nicht. Und die, die’s nicht sind, sind doch langweilig. Und was sie leistet ist echt beeindruckend und für die Tiere natürlich grandios, sie ist echt von fünf Uhr morgens bis abends um elf auf den Beinen und setzt ihre ganze Energie für die Tierrechtsbewegung ein. Solche Menschen braucht die Welt! Auch wenn ich nicht unbedingt zu ihnen gehören will, mir reicht es, eine Softie-Variante davon zu sein und einfach hin und wieder ein paar Tiere zu kuscheln und privat vegan zu essen.

Also bin ich hier eigentlich ganz gut angekommen. Die Einsamkeit macht mich zwar total kirre und manchmal ödet mich das ewige Ausmisten extremst an, gleichzeitig geniesse ich die Freiheit, mir meine Arbeit selbst einzuteilen, die Selbständigkeit und natürlich allem voran das Beisammensein mit den Tierlein. Also gefühlsmässig sehr durchmischt, was dazu führt, dass ich in einer Minute himmelhochjauchzend mit dem Hund durch die Felder renne oder total gerührt mit Babykatzen spiele und in der nächsten Minute diesen ganzen Ort mit den vielen Tierhaaren und dem bestialisch pestenden Nasskatzenfutter und der ganzen Scheisse überall (und den verdammten Fliegen die mich nicht schlafen lassen!!!) verteufle. Eine echte Achterbahn der Gefühle ist das hier. Aber schlussendlich ist es eine echt gute Herausforderung für mich, eine Chance, endlich einmal das Landleben kennenzulernen und eine Schule fürs Leben, wie alles, was ausserhalb der Komfortzone ist. Also raus da und rein ins wilde Leben!

P.S. der Vorteil daran, dass man hier echt ALLEINE im hinterletzten Niemandsland Deutschlands wohnt, ist die absolut grandiose Aussicht auf den Abendhimmel! Guckt euch mal die süssen rosa Schäfchenwölkchen an!

DSC06993

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s